Kalihalde Wathlingen – Risiken für Umwelt und Region
Die Kalirückstandshalde „Niedersachsen“ in Wathlingen ist ein Relikt des Kali- und Steinsalzbergbaus im Werk Niedersachsen-Riedel, das von 1909 bis 1997 betrieben wurde. Die Halde ist rund 80 Meter hoch, bedeckt etwa 25 Hektar Fläche und umfasst rund 11,5 Millionen Kubikmeter Material mit einer Masse von mehr als 22 Millionen Tonnen. Sie besteht überwiegend aus Natriumchlorid (Kochsalz) sowie geringen Anteilen von Gips, Kaliumchlorid und unlöslichen Bestandteilen wie Ton.
Da die Halde ohne Basisabdichtung errichtet wurde, steht sie seit Jahrzehnten in engem Kontakt mit dem Grundwasser. Dies führt dazu, dass Salz aus der Halde ausgewaschen wird und in Boden und Grundwasser gelangt. Damit stellt sie eine dauerhafte Belastung für die Umwelt dar.
Abdeckung der Halde mit Bauschutt
Der Bergbaukonzern K+S plant, die Halde über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten mit Boden und Bauschutt abzudecken und anschließend zu begrünen. Dazu sollen jährlich etwa 600.000 Tonnen Material angeliefert werden. Insgesamt könnten so bis zu 15 Millionen Tonnen mineralische Abfälle aufgebracht werden. Nach Abschluss der Maßnahme würde die Halde eine Höhe von rund 100 Metern erreichen und eine Fläche von etwa 40 Hektar einnehmen. Die Transporte sollen überwiegend mit Lastwagen erfolgen, was über viele Jahre zu erheblichem Verkehrsaufkommen in den umliegenden Gemeinden führen würde.
Kritik des BUND
Der BUND sieht in der geplanten Abdeckung keine nachhaltige Lösung für die Umweltprobleme der Kalihalde.
Zum einen wird die Versalzung des Grundwassers durch eine Abdeckung nicht beendet. Sie kann lediglich verzögert und reduziert werden. Da die Halde keine Abdichtung nach unten besitzt, kann sie weiterhin durch Grundwasser aufgelöst werden. Steigende Grundwasserstände – etwa durch eine Wiedervernässung angrenzender Naturschutzgebiete – könnten diesen Prozess sogar beschleunigen. Grenzwerte der Grundwasserverordnung würden nach Einschätzung des BUND langfristig weiterhin überschritten.
Zum anderen besteht die Gefahr, dass sich die Halde durch Auflösungsprozesse im Inneren langsam absenkt. Dadurch könnten Schäden an der Abdeckung entstehen, die zu erneuten oder verstärkten Salzfreisetzungen führen.
Weitere Umwelt- und Sicherheitsrisiken
Neben der Versalzung des Grundwassers sieht der BUND weitere Risiken:
- In der Halde befindet sich eine ältere Deponie mit Haus- und Gewerbeabfällen aus früheren Jahrzehnten.
- Durch die geplante Flutung des stillgelegten Bergwerks sollen salzhaltige Wässer dauerhaft eingelagert werden. Dabei werden große Mengen Wasser dem natürlichen Wasserkreislauf entzogen.
- Im Bergwerk lagern zudem Rüstungsaltlasten mit arsenhaltigen Stoffen. Ob diese Mischung aus Salzwässern und Schadstoffen langfristig sicher eingeschlossen bleibt, ist umstritten.
Dauerhafte Belastung für die Region
Die geplanten Maßnahmen würden sich über Jahrzehnte erstrecken. Während dieser Zeit wären tägliche Lkw-Transporte, zusätzliche CO₂-Emissionen und erhebliche Belastungen für die Bevölkerung in den umliegenden Orten zu erwarten.
Darüber hinaus bleibt die Frage offen, wer langfristig für mögliche Schäden und Folgekosten aufkommt. Nach Ansicht des BUND sind die vorgesehenen finanziellen Sicherheiten unzureichend, um die Risiken einer solchen „Ewigkeitslast“ abzudecken.
Forderung des BUND
Der BUND setzt sich dafür ein, dass Lösungen verfolgt werden, die Umwelt und Grundwasser langfristig schützen und die Belastungen für die Region minimieren. Dazu gehören eine kritischere Prüfung alternativer Sanierungsstrategien sowie eine transparente Bewertung der langfristigen Risiken für Mensch und Natur.