Das Foto zeigt den sensiblen Bereich am Nordwestrand von Vorwerk. Dort soll der Acker (Bildvordergrund) umgewandelt werden in Grünland, wodurch für die Feldvögel der Lebensraum verloren geht. Dort, wo im Bildhintergrund die Häuser vom „Himmelsberg“ durchschimmern, ist die Schnellstraße geplant mit ca. 20 unterschiedlichen Ausgleichs-, Ersatz- und Schutzmaßnahmen. (Foto von Helga Habekost)
(Helga Habekost)
Die BUND Kreisgruppe Celle hat im laufenden Planfeststellungsverfahren deutliche Einwendungen gegen den vierten Bauabschnitt der Celler Ortsumgehung (Verlegung der B3) erhoben. In der aktuellen Stellungnahme machen die langjährigen Naturschützerinnen Helga Habegkost und Annegret Pfützner klar, dass das Vorhaben aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes erhebliche Mängel aufweist und so nicht umgesetzt werden darf. Die Stellungnahme macht deutlich, dass es nicht nur um einzelne Detailfragen geht, sondern um grundsätzliche Defizite in der Planung. Aus Sicht der Autorinnen fehlt es an einer aktuellen und belastbaren Bewertung von Verkehrsentwicklung, Umweltfolgen und Kosten-Nutzen-Relation. Prognosen basierten teilweise auf veralteten Daten und würden zentrale Entwicklungen wie die Verkehrswende nicht ausreichend berücksichtigen.
Kritisiert wird insbesondere der hohe Flächenverbrauch und die fortschreitende Zerschneidung von Lebensräumen. Der geplante Straßenbau greift massiv in einen ökologisch sensiblen Landschaftsraum ein, der eine wichtige Funktion für den Biotopverbund sowie als Lebensraum für zahlreiche geschützte Arten erfüllt. Nach Auffassung des BUND steht das Projekt damit sinnbildlich für eine Verkehrspolitik, die weiterhin auf Flächenverbrauch und Wachstum setzt – und damit den aktuellen Anforderungen von Klima- und Naturschutz nicht gerecht wird.
Besonders problematisch ist aus Sicht des Verbandes die Situation für Fledermäuse und Vogelarten. Mehrere nachgewiesene Flugrouten von Fledermäusen werden durch die geplante Trasse durchschnitten, ohne dass ausreichend wirksame Querungshilfen vorgesehen sind. Auch für typische Offenlandarten wie Feldlerche oder Rebhuhn gehen wertvolle Lebensräume verloren, deren Ersatz weder in ausreichendem Umfang noch in geeigneter Lage gesichert erscheint.
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die vorgesehenen Kompensationsmaßnahmen. Viele dieser Maßnahmen sollen weit entfernt vom eigentlichen Eingriff umgesetzt werden. Damit fehlt aus Sicht des BUND der notwendige räumliche und funktionale Zusammenhang. Gleichzeitig bleibt unklar, ob die Flächen überhaupt rechtzeitig verfügbar sind und ob die Maßnahmen ihre ökologische Wirkung tatsächlich entfalten können.
Hinzu kommt die Sorge um den Wasserhaushalt: Der geplante Straßeneinschnitt kann das Grundwasser beeinflussen und damit empfindliche Ökosysteme zusätzlich belasten. Angesichts zunehmender Trockenperioden und bereits bestehender Belastungen wird dies als besonders kritisch bewertet.
Der BUND fordert daher eine grundlegende Überarbeitung der Planungen. Dazu gehören insbesondere bessere Schutzmaßnahmen für Fledermäuse, die vollständige Umsetzung von Ausgleichsmaßnahmen vor Baubeginn, ein wirksamer Schutz gesetzlich geschützter Biotope sowie ein verbindliches Monitoring zur Kontrolle der tatsächlichen Auswirkungen.
Für Helga Habegkost und Annegret Pfützner steht fest: Der Bau neuer Straßen auf Kosten von Natur und Landschaft ist kein zukunftsfähiger Weg. Stattdessen brauche es eine konsequente Verkehrswende, die den Schutz von Klima, Artenvielfalt und natürlichen Ressourcen in den Mittelpunkt stellt.