BUND Kreisgruppe Celle
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Zahlreiche tote Maulwürfe im Französischen Garten in Celle – was ist die Ursache?

10. August 2026 | Klimawandel, Lebensräume, Über uns

Warum sterben derzeit so viele Maulwürfe im Französischen Garten in Celle? Eine erneute Vergiftung schließt die Untere Naturschutzbehörde aus. Vieles deutet stattdessen auf Hitze, Trockenheit sowie Wasser- und Nahrungsmangel hin. Dabei sind Maulwürfe nicht nur besonders geschützt, sondern erfüllen als „Ökosystem-Ingenieure“ wichtige Funktionen für Boden und Artenvielfalt.

Regenwürmer gehören zu den Leibspeisen des Maulwurfs; Foto S. Meyer

In den vergangenen Wochen wurden im Französischen Garten in Celle auffällig viele tote Maulwürfe gefunden. Beobachter berichten, dass sterbende Tiere aus ihren Bauen kamen und an der Oberfläche verendeten. Nachdem mit Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) 2019 schon einmal Maulwürfe in Celle vergiftet worden waren, lag der Verdacht nahe, ein solches Vorgehen könnte sich wiederholt haben. Dies ist aber nach Auskunft der UNB der Stadt Celle nicht der Fall. Meldungen über tote Maulwürfe gab es bundesweit auch während der Hitzewellen der vergangenen Jahre. Ein Maulwurfsbau reicht nur etwa einen halben Meter tief in den Boden. Steigen die Temperaturen im Gangsystem auf über 20 °C an, gerät der Maulwurf unter Hitzestress. Bei anhaltender Hitze kommt im ausgetrockneten Boden Wasser- und Nahrungsmangel hinzu, da sich Regenwürmer in tiefere Schichten zurückziehen. Die geschwächten Maulwürfe können nicht entfliehen. Sie kommen schließlich an die Oberfläche und sterben.

Bis heute gehört aber auch die direkte Verfolgung zu den Gefährdungsursachen für den Maulwurf. Dabei ist der Maulwurf ein ausgesprochen nützliches Tier. Er sorgt für eine Durchmischung, Lockerung und Belüftung des Bodens, was sich auf die örtlichen Pflanzen- und Tiergemeinschaften auswirkt. Die Maulwurfshügel durchbrechen die Grasnarbe und fördern so die Keimung von Wiesenkräutern. Dies erhöht die Artenvielfalt auch unter den Insekten. Zum Beispiel benötigt der Kleine Feuerfalter den Wiesen-Sauerampfer, der wiederum auf Störstellen wie Maulwurfshügeln gedeiht, als Raupenfutterpflanze. Wo Maulwürfe leben, kann Regen leichter in tiefere Bodenschichten eindringen. Hauptsächlich ernähren sie sich von Würmern und Insektenlarven und nehmen gelegentlich auch Mäusenester aus. Täglich nimmt ein Maulwurf mehr als 75 % seines Körpergewichts an Nahrung auf. Sie fressen, was ihnen vor die empfindliche Nase gerät und wirken so auch Massenauftreten z.B. von Engerlingen und Drahtwürmern entgegen. Ihre verlassenen Baue werden von zahlreichen anderen Tieren nachgenutzt und dienen u.a. Spitzmäusen und Amphibien als Unterschlupf. Wegen seiner vielfältigen Funktionen im Naturhaushalt wird der Maulwurf auch als „Ökosystem-Ingenieur“ bezeichnet.

Der Maulwurf gehört zu den geschützten Säugetierarten

In Deutschland gehören Maulwürfe nach der Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Säugetierarten. § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes verbietet es, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Auch eine Verbringung in andere Lebensräume ist untersagt. In der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands wird der Maulwurf als ungefährdete, häufige Art eingestuft, obwohl aufgrund des Rückgangs des Grünlands und der Intensivierung der Güllebewirtschaftung von abnehmenden Bestandstrends ausgegangen wird. Die Rote Liste der Säugetiere Niedersachsens geht differenzierter auf den Maulwurf ein und verweist darauf, dass es keine Bestandserfassung für die Art gibt und infolgedessen aufgrund der unzureichenden Datenlage keine Einstufung in eine bestimmte Gefährdungskategorie möglich ist. Da sich sowohl lange Trockenperioden als auch Überschwemmungen negativ auf die Maulwurfsbestände auswirken können, wird wegen vermehrter Extremwetter-Ereignisse zu einer landesweiten Bestandsaufnahme geraten, um Rückgänge frühzeitig feststellen zu können. Immer wieder wird der Maulwurf auch heute noch als „Allerweltsart“ bezeichnet. In Zeiten von industrieller Landwirtschaft und menschengemachter Klimaaufheizung kann davon aber schon lange keine Rede mehr sein.

Weitere Infos zum Thema Maulwurf auf den Seiten des BUND

Bilderstrecke “Maulwurf”

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