Im Rahmen des laufenden Raumordnungsverfahrens zum Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) 2026 hat unsere Vorstandsvorsitzende Annegret Pfützner für die BUND-Kreisgruppe Celle eine umfassende Stellungnahme beim Landkreis Celle eingereicht. Darin machen wir deutlich: Die zukünftige Entwicklung unseres Landkreises muss konsequent an Klima- und Naturschutz, Flächensparen und nachhaltiger Daseinsvorsorge ausgerichtet werden.
Flächenverbrauch drastisch reduzieren
Der Landkreis Celle verzeichnet weiterhin einen hohen Flächenverbrauch. In den vergangenen Jahren ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche deutlich gewachsen. Diese Entwicklung steht im Widerspruch zu den landesweiten Zielen, die Neuversiegelung erheblich zu reduzieren.
Gleichzeitig stehen zahlreiche Wohnungen leer. Vor diesem Hintergrund fordern wir eine konsequente Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Sanierung, Umnutzung und Nachverdichtung müssen Vorrang haben vor neuen Baugebieten auf der „grünen Wiese“. Jede zusätzliche Versiegelung bedeutet den Verlust wertvoller Böden und Lebensräume und verursacht erhebliche zusätzliche CO₂-Emissionen durch Bau und Infrastruktur.
Klimaschutz und Klimaanpassung verbindlich verankern
Das RROP muss Klimaschutz und Klimaanpassung als verbindliche Leitlinien enthalten. Dazu gehören insbesondere der Schutz von Mooren, Wäldern und Auen, der Ausbau eines funktionierenden Biotopverbundes sowie die Sicherung von Retentionsräumen für den Hochwasserschutz.
Angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse ist es zwingend erforderlich, klimaökologisch bedeutsame Freiflächen und Frischluftschneisen zu erhalten. Überschwemmungsgebiete dürfen nicht weiter bebaut und zusätzliche Versiegelungen in gefährdeten Bereichen nicht zugelassen werden.
Energiewende naturverträglich gestalten
Wir stehen klar zur Energiewende. Der Ausbau erneuerbarer Energien ist notwendig und richtig – er muss jedoch naturverträglich erfolgen.
Für die Photovoltaik gilt: Dächer und bereits versiegelte Flächen haben Vorrang vor Freiflächen. Freiflächenanlagen dürfen nur auf geeigneten, vorbelasteten Standorten entstehen und müssen mit einer ökologischen Aufwertung der Flächen verbunden sein.
Auch den Ausbau der Windenergie unterstützen wir grundsätzlich. Gleichzeitig fordern wir eine konfliktarme und rechtssichere Ausweisung von Vorranggebieten unter Berücksichtigung des Arten- und Landschaftsschutzes. Klimaschutz und Biodiversität dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Rohstoffabbau und Infrastruktur kritisch prüfen
Der Entwurf des RROP 2026 bereitet erhebliche Flächen für die Rohstoffgewinnung vor. Dies sehen wir kritisch, da Kies- und Sandabbau massiv in Landschaft, Wasserhaushalt und biologische Vielfalt eingreifen. Notwendig sind klare Begrenzungen, ein sparsamer Umgang mit Ressourcen sowie die konsequente Förderung von Recycling und Wiederverwendung von Baustoffen.
Auch bei der Verkehrsinfrastruktur fordern wir ein Umdenken: Der Ausbau bestehender Netze und die Sanierung vorhandener Infrastruktur müssen Vorrang vor neuen Straßenbauprojekten haben, die weitere Zerschneidung von Landschaften verursachen.
Mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung
Raumordnung legt die Weichen für die Entwicklung unserer Region über Jahrzehnte. Deshalb braucht es transparente Verfahren, frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und nachvollziehbare Abwägungen. Natur- und Klimaschutzbelange müssen dabei gleichrangig mit wirtschaftlichen Interessen behandelt werden.
Unser Ziel
Der Landkreis Celle braucht ein Regionales Raumordnungsprogramm, das als echtes Zukunftsprogramm wirkt:
- mit verbindlichen Zielen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs,
- mit klarer Priorität für Innenentwicklung und Bestandssanierung,
- mit einer naturverträglichen Energiewende,
- mit konsequentem Schutz von Böden, Wasser, Klima und Biodiversität.
Die BUND-Kreisgruppe Celle wird den weiteren Planungsprozess konstruktiv-kritisch begleiten und sich weiterhin mit fachlicher Expertise und klarer Haltung einbringen – für eine lebenswerte, klimaresiliente und artenreiche Region Celle.
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