Die nächste Baumfällperiode beginnt am 1. Oktober und geht bis 29. Februar. Nach Ansicht der Celler Kreisgruppe vom Bund für Umwelt und Naturschutz BUND ist es dringend erforderlich, dass die Stadt Celle vorher eine flächendeckende Baumschutzsatzung erhält. Deshalb hat der Arbeitskreis Baumschutz die Muster-Baumschutzsatzung des Städtetages als Vorbild genommen und eine neue Satzung für die Stadt Celle entworfen. Diesen Vorschlag hat Ute Reich als Sprecherin der Arbeitsgruppe Mitte Mai sowohl an die Stadtverwaltung als auch an alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppen übermittelt. „Leider steht eine Reaktion der meisten Fraktionen noch aus. Dabei ist der Baumschutz aktiver Klimaschutz. Nicht nur die Friday-For-Future-Jugendlichen warten auf eine aktive Beteiligung der Stadt Celle am Klimaschutz“, so Ute Reich.
Die meisten Städte Deutschlands, unter anderem auch Hannover, handeln bereits auf der Grundlage einer wirksamen, flächendeckenden Baumschutzsatzung gemäß § 29 Bundesnaturschutzgesetz. In der Stadt Celle gilt die Vegetationsschutzsatzung vom 17.07.2014, die lediglich bestimmte Einzelbäume und einzelne Baumgruppen schützt. Selbst dieser Schutz kann auf Antrag aufgehoben werden. Dazu reicht schon, dass die Bäume einem Bauvorhaben im Weg stehen oder dieses wirtschaftlich wesentlich beeinträchtigen könnten. Die Entscheidungen darüber werden nicht demokratisch durch ein Gremium getroffen, sondern liegen bei einer einzelnen Verwaltungsfachkraft. Dabei verpflichtet Art. 14 Abs. 1 Grundgesetz zur Sozialbindung des Eigentums, das heißt Eigentum muss zugleich dem Gemeinwohl dienen. „Das halten wir nicht mehr für tragbar“, so Ute Reich.
Aktuelle Fällungen stattlicher, gesunder Bäume wegen Bauvorhaben gab es zuletzt auf der Allerinsel und gegenüber vom Möbelhaus Wallach. Eine Platane mit etwa 6 Metern Stammumfang in einem Meter Höhe hat rund 250 Jahre gesundes Wachstum gebraucht. Eine Eiche mit einem Meter Stammdurchmesser in einem Meter Höhe ebenfalls etwa 250 Jahre. Um das Pariser Klimaziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung zu erreichen, müssten nach Berechnungen von Andreas Oschlies jedes Jahr neue Waldflächen im Umfang der Hälfte der Fläche der Bundesrepublik Deutschland angepflanzt werden. Nach zwei Jahren müsste die gesamte Fläche der Bundesrepublik vollständig bewaldet sein, nach 30 Jahren ganz Europa.
Die Zeit ist reif. Jeder Baum muss nach den Kriterien der Städtetagssatzung geschützt werden. Das ist unsere Verpflichtung gemäß Grundgesetz und unsere Verantwortung für die nächsten Generationen.
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Ute Reich, AG Baumschutz