Die BUND Kreisgruppe Celle lehnt die geplante Ausweisung eines Gewerbegebiets „Neulüss-West“ auf bislang bewaldeten Flächen in Unterlüß entschieden ab. In einer aktuellen Stellungnahme im Rahmen der Bauleitplanung macht der Umweltverband deutlich, dass hier wertvolle Naturflächen dauerhaft zerstört würden – ohne dass die Notwendigkeit überzeugend belegt ist.
Aus Sicht des BUND steht das Vorhaben exemplarisch für eine veraltete Flächenpolitik: Während überall über Klimaschutz, Ressourcenschonung und den Erhalt der Biodiversität gesprochen wird, sollen hier über Jahrzehnte gewachsene Waldökosysteme für ein Gewerbegebiet geopfert werden. Besonders kritisch sieht der Verband, dass es offenbar Alternativen gibt – etwa die Nutzung bereits ausgewiesener oder brachliegender Gewerbeflächen –, diese aber nicht ernsthaft geprüft wurden.
Die betroffenen Waldflächen haben nach Einschätzung des BUND eine hohe ökologische Bedeutung. Dazu gehören historisch alte Waldstandorte, wertvolle Böden sowie alte Eichenbestände, die als Lebensraum für eine Vielzahl von Tierarten dienen. Solche Strukturen lassen sich nicht einfach ersetzen. Wer hier von „Ausgleich“ spricht, verkennt die Realität: Ein neu gepflanzter Wald kann die Funktionen eines über Jahrzehnte gewachsenen Ökosystems auf absehbare Zeit nicht übernehmen.
Hinzu kommt die massive Belastung für Klima und Umwelt. Wälder speichern CO₂, kühlen ihre Umgebung, regulieren den Wasserhaushalt und schützen Böden. Ihre Zerstörung setzt nicht nur gespeicherten Kohlenstoff frei, sondern verschärft auch die Folgen des Klimawandels vor Ort. Gleichzeitig werden bislang unversiegelte Böden dauerhaft überbaut – ein Eingriff, der praktisch irreversibel ist.
Der BUND kritisiert zudem, dass Kompensationsmaßnahmen häufig nicht die versprochenen Wirkungen entfalten. Fehlende Pflege, mangelnde Kontrolle und unrealistische Annahmen führen in der Praxis dazu, dass ökologische Verluste nicht wirklich ausgeglichen werden.
Grundsätzlich fordert der Verband ein Umdenken in der Flächenpolitik: Neue Baugebiete dürfen nicht länger auf Kosten von Natur- und Freiflächen entstehen, solange es ungenutzte oder untergenutzte Flächen gibt. Innenentwicklung, Flächenrecycling und eine echte Reduzierung des Flächenverbrauchs müssen Vorrang haben.
Für den BUND ist daher klar: Die Planung in Unterlüß ist nicht nur ein lokales Problem, sondern steht stellvertretend für eine politische Fehlentwicklung. Wer Klimaschutz ernst meint, kann solche Eingriffe nicht weiter zulassen. Die Kreisgruppe Celle fordert die Verantwortlichen auf, die Planungen grundlegend zu überdenken und naturverträgliche Alternativen in den Mittelpunkt zu stellen.