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Kreisgruppe Celle

Straßenbau: Ortsumgehung in Celle

West- und Ostumgehung: Alle Argumente auf einen Blick

Der 3. Bauabschnitt der Ostumgehung in Celle beeinträchtigt und gefährdet

  • die sensible urbane und Naturlandschaft im Osten,

  • FFH-Gebiete mit prioritären Lebensräumen und Arten als hoch schutzwürdige Natur-Potentiale von europäischem Rang in einem großflächig noch unzerschnittenen Raum

  • Celles größtes und zugleich stadtnahes Naherholungsgebiet

  • den kleinklimatischen Vorteil durch vorhandene Kaltluftentstehungsgebiete

  • den Zusammenhang der gewachsenen Dorfstrukturen dreier Ortsteile mit ihren Ortsteil-Verbindungswegen

  • den archäologische Bodenschatz „Tsellis“ als seltenes Relikt von bundesweiter Bedeutung an der historischen Salzstraße

  • die besten Ackerböden im Stadtgebiet und stadtnahen Umland

 

Der BUND hat sich im Verlauf des jahrzehntelangen Verfahrens um den Straßenneubau der B3 in Celle aus verschiedenen Gründen deutlich gegen eine Ortsumgehung Ost und stattdessen für eine Westumgehung ausgesprochen und dies folgendermaßen begründet:

Eine Westumgehung…

  • ist die kürzeste Verbindung von der B 3 im Süden zur B 3 im Norden. Zwischen Westercelle und Groß Hehlen existiert bereits zu Zweidrittel eine leistungsfähige, stadtnahe Verkehrsachse mit Allerquerung und zweitem Brückenkopf auf einer Strecke von knapp 10 Kilometern.

  • wahrt Abstände zu Siedlungen. Aktiver Lärmschutz ist vorhanden und optimierbar.

  • Ist mit einer weiteren Bundesstraße, zwei Landesstraßen und zwei zusätzlichen Innenstadtanbindungen verknüpft.

  • ist mit Ausnahme eines 3 Kilometer langen Abschnitts im Norden der Stadt bereits bauleitplanerisch abgesichert.

  • ist städtebaulich und im Hinblick auf Natur, Landschaft und Naherholung bedeutend konfliktfreier als die Ostumgehung.

  • hat einen verkehrsstrategischen Lagevorteil durch die Nähe zu den Gewerbeschwerpunkten.

  • erzeugt keinen zusätzlichen Verkehr und ist damit die klimafreundlichste Lösung.

 

Entlastung? Fehlanzeige!

Aufgrund ihrer Mehrlänge führt die geplante 24 Kilometer lange Neubaustrecke nicht zu einer Erhöhung der Reisegeschwindigkeit. Die Strecke kann – von dem ohnehin geringen Durchgangsverkehr von 4,07 % bezogen auf das Stadtgebiet (lt. Generalverkehrsplan 1974/76 / bzw. von maximal 11 % bezogen auf das Stadtgebiet Celle (Schubert 2008) - nur einen ganz kleinen Anteil auf sich verlagern. Zudem würde sie die Unterbrechung einer Landesstraße (L 282 ) und mehrerer kommunaler Straßen im Osten, sowie die Stilllegung einer Kreisstraße (K74) größere Umwege – und damit Mehr-Verkehre - bewirken. Die besondere Schwäche dieser Trasse F8n ist neben der Verknüpfungs-Armut ihre Stadtferne.

Die geplante Ostumgehung bringt auch den Ortsteilen Altencelle, Lachtehausen und Altenhagen aus Sicht des BUND nicht die erhoffte Entlastung, sondern nur eine geringfügige Verkehrsverlagerung – aufgrund der prognostizierten Verkehrsvermehrung und der höheren Reisegeschwindigkeiten kommt es vermutlich sogar zu einer signifikanten Immissions- und Lärm-Mehrbelastung. Mit den vorgesehenen markanten Damm- und Schallschutzbauwerken ergibt sich für diese Ortsteile zudem ein Abriegelungs- und Trenneffekt gegenüber der Kernstadt. Das widerspricht den Zielen der Gebietsreform von 1972.

 

Gründe gegen die Ostumgehung

Viele Gründe sprechen aus Sicht des BUND gegen die geplante Ortsumgehung-Ost in Celle.
Zu einer Verkehrsentlastung im Stadtgebiet führt sie ebenso wenig wie zur zukunftsweisenden Mobilitätslösung für die Region. Die Neubaustrecke überprägt mit ihren fast 10 Meter hohen und etwa die Hälfte der Gesamtstrecke begleitenden Höhenbauwerken weite Teile der besiedelten und unbesiedelten Landschaft. Sie schafft neue Querbauwerke im Fuhse-, Aller- und Lachte-Tal, was den Hochwasserschutz erschwert.

Vor allem aus Naturschutzsicht ist die Ostumgehung (OU) abzulehnen: Sie durchschneidet, versiegelt und belastet mit einem breiten Wirkkorridor die FFH-Gebiete „Aller“ (90) und „Lachte“ (86).

Wanderwege und Tierpfade werden abgeschnitten und damit Tierbestände vereinzelt. Rund 72.000 m² Wald sollen dem Neubau geopfert werden – und das in einer Zeit, in der Wald aus klimatischen Gründen hochbedroht ist (nach neuesten Erkenntnissen) und durch Neuaufforstungen nicht wieder ausgeglichen werden kann.

Gleichzeitig vernichtet und verkleinert diese OU wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen im Stadtgebiet und schwächt das landwirtschaftliche Potenzial der stadtzugehörigen Höfe / Dörfer. Sie verkleinert und beeinträchtigt das Oberallergebiet als Celles wichtigsten, größten wie auch siedlungsnahen Freizeit-, Sport- und Naherholungsraum empfindlich.

Auch zerstört sie die erst zum kleinen Teil erschlossene archäologische Grabungsstätte „Tsellis“, der mehr als 800 Jahre alten Vorgängerstadt von Celle, und begräbt buchstäblich alle Hoffnungen, hier ein Museumsdorf – ähnlich dem Haitabu in Schleswig-Holstein oder dem Ninover im Solling – entstehen zu lassen.

Der BUND zieht daher das Fazit, dass eine Ostumgehung in Celle insgesamt mehr Schäden, Belastungen, direkte und externe Kosten erzeugt als Nutzen für Mensch und Natur. Außerdem konterkariert sie mit ihrem hohen CO2-Output die Klimaziele der Bundesregierung.

Schließlich sollten die Verantwortungsträger endlich die Konsequenz daraus ziehen, dass aus dem unsäglich langen, verwirrenden Konkurrenz-Gerangel zwischen Ost- und West-Umgehung nur durch trickreiche Planungsstrategie und Nichtbeachtung des OVG-Urteils (von 1984) am Ende beide Umgehungen (Ost und West als Kreis) hervorgehen werden.
Das kann den „Opfergang im Osten“ gar nicht rechtfertigen.

 

Alternativvorschlag des BUND

Anstelle der Fertigstellung des dritten Bauabschnittes der Ostumgehung hatte der BUND folgende Lösung vorgeschlagen: Nach der Fertigstellung der Bauabschnitte 1 und 2 könnte zur Entlastung von Adelheidsdorf der 1. Bauabschnitt in Höhe des Fuhsekanals westwärts zur Bahnparallelen F 6 verschränkt werden. Der Anschluss an die Westumgehung am Wilhelm-Heinichen-Ring könnte bei realkauf erfolgen.

Die Realisierung der Abschnitte 4 und 5 ist unabdingbar und sollt wie vorgesehen schnellstmöglich umgesetzt werden. Dies empfiehlt auch ein entsprechendes Gutachten von Herrn Prof. Retzko.
Vor allem durch ein Vorziehen des 5. Bauschnitts könnte der innerstädtische Verkehr schnell und mit vertretbarem Aufwand entlastet werden. Durch die Verknüpfung mit den beiden bereits realisierten Bauabschnitten der Ostumgehung würde so ein Teil-Ring entstehen, der alle wichtigen Stadt-Radialen anbindet.

Als kurzfristige Maßnahmen zur Verringerung der Verkehrsbelastung hatte der BUND empfohlen:

  • ein Durchfahrverbot für LKW über 12 Tonnen durch Celle, dieses müsste allerdings an den Autobahnabfahrten der A2 und auch der A7 beschildert werden,

  • eine Sperrung der Ortsdurchfahrt durch Altencelle auf der K74 und B 214 für LKW über 12 Tonnen.

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